Erlenbach – Gift ist eine Frage der Dosierung. Auch in den Bucheckern, der Frucht der bis zu 40 Meter hoch wachsenden Rotbuche, befinden sich Giftstoffe wie Saponine und Oxalsäure. Diese können bei empfindlichen Personen zu Magen- und Darmproblemen, Erbrechen und Durchfall führen. Die dreikantigen braunen Nüsse eignen sich nach ihrer Reife aber auch zur Herstellung von Speiseöl, das in der „kalten Küche“ Anwendung findet, wie Stefan Kerner von der Erlenbacher Ölmühle erzählt. Zwölf Kinder des Kindergartens Hüttenäcker haben ihm jetzt beim Sammeln der Früchte geholfen.

Animiert

Die Ölmühle beschäftigt sich jetzt erstmals mit der Herstellung des in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr in Vergessenheit geratenen nussig schmeckenden Öls. Ältere Mitmenschen hätten ihn dazu animiert, sagt Kerner, der die Sammelaktion mit den Kindern im Erlenbacher Sommerrain-Wald organisiert hat. „Wir haben die Idee gerne aufgegriffen, denn wir sind immer freitags, wenn das Wetter mitspielt, sowieso im Wald“, bestätigt Erzieherin Luise Schellenbeck. Und im Augenblick könnte die Witterung für solche Exkursionen ja nicht besser sein.

Es ist mühsam, bis da einige Kilogramm der kleinen Früchte gesammelt sind. Diese stecken zu dieser herbstlichen Zeit meist in einem weich-stachligen, braunen und verholzten Fruchtbecher, der im Verlauf der Reife aufplatzt. Bei dem Aufwand ist deshalb fast logisch, weshalb die Herstellung dieses Öls aus der Mode gekommen ist. Dennoch sammeln zwölf Kinder und drei Erzieherinnen sitzend und kniend zwei Stunden lang fleißig. Stefan Kerner erzählt dabei Wissenswertes über die Bucheckern: „Gibt es viele davon, droht ein strenger Winter.“ Auch die vielen Eicheln seien ein Indiz für diese These.

Unterstützung

„Rund 100 Kilogramm der Früchte geben etwa 30 Liter Öl“, erklärt der Fachmann. „Diese Menge schaffen wir heute natürlich nicht.“ Kerner wird also weiter fleißig sammeln müssen, damit sich die Herstellung des seltenen Öls rentiert. Vier Wochen lang müssen die Früchte nun trocknen, danach ist die Putzmühle dran. Übrig bleibt die eigentliche Frucht. Der Ölmühlenbetreiber rechnet damit, dass je nach Feuchtigkeitsgehalt Anfang November das „Winteröl“ gepresst werden kann. Abfüllen will er es dann in kleinen 100 Milliliter Fläschchen. „Jeweils ein Euro pro verkauftes Fläschchen geht als Belohnung an den Kindergarten“, garantiert Stefan Kerner, der sich seit nunmehr sechs Jahren intensiv mit der Herstellung verschiedener Öle beschäftigt.

Von Werner Glanz