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Heilbronner Stimme 26.08.2010 - Ölmühlenbrot

Erlenbach - Die Frucht ist abgedroschen, die Äcker teilweise schon wieder umgepflügt. Dennoch ist dieser Tage in Erlenbach noch ein Mähdrescher in einer ganz besonderen Mission unterwegs: Aussiedler Erwin Kerner drischt mit seinem eigenen Gefährt an der Heilbronner Straße das letzte noch übriggebliebene Korn - Lein.

Generation "Erst jetzt hat die runde Frucht ihre volle Reife erlangt", bestätigt Erwin Kerner, der sich zusammen mit Sohn Stefan nun schon in der dritten Generation mit der Landwirtschaft beschäftigt. Viele Anbauverfahren wurden bis heute beibehalten, um im Zusammenspiel mit der Natur eine gute Saat für hochwertige Speiseöle zu erhalten. Seit nunmehr fünf Jahren werden unter Leitung von Stefan Kerner in der hofeigenen Ölmühle die Ölspezialitäten gepresst und unter dem Namen der Erlenbacher Ölmühle vertrieben. Wahlnussöl ist saisonal von Anfang September bis Ende Dezember erhältlich, Raps-, Lein- und Mohnöl sind auch ganzjährig zu genießen.

Abgefüllt werden die Öle von Hand in schmucken Viertel- und Halbliterflaschen. Stefan Kerner ist ständig auf der Suche nach neuen Erzeugnissen. "Ab diesen Herbst gibt es bei mir das erste kaltgepresste Kürbiskernöl", verkündet der Agrar-Ingenieur nicht ohne Stolz. Auch wird er künftig die örtliche Bäckerei Förch mit seinen Leinsamen samt Leinöl zur Herstellung des "Erlenbacher Ölmühlenbrotes" beliefern. Beide Unternehmer legen bei der Verarbeitung großen Wert auf regionale Erzeugnisse. "Das Brot ist aus den wertvollen Randschichten des Korns und dadurch sehr locker", beschreibt Roland Förch das neue Erzeugnis.

Erreicht wird das dadurch, dass die hellen Leinsamen schonend bei der Teigherstellung untergehoben werden und zusätzlich das frisch gepresste Leinöl beigegeben wird. "Der Teig reift über Nacht, damit die Inhaltsstoffe sich entfalten können", ergänzt der Bäckermeister. Gebacken wird dann auf heißen Steinplatten, deren Hitze auf das Brot übergeht. Das Brot bekommt einen nussigen Geschmack.

Fettsäuren Erzeugnisse mit Leinöl enthalten wichtige Inhaltsstoffe. Das Erlenbacher Leinöl enthält 60 Prozent Omega-3-Fettsäuren. Schon ein bis zwei Esslöffel decken den täglichen Bedarf an essenziellen Fettsäuren.


Heilbronner Stimme 07.10.2011 - Mühsam zu ein paar Tropfen Öl

Erlenbach - Gift ist eine Frage der Dosierung. Auch in den Bucheckern, der Frucht der bis zu 40 Meter hoch wachsenden Rotbuche, befinden sich Giftstoffe wie Saponine und Oxalsäure. Diese können bei empfindlichen Personen zu Magen- und Darmproblemen, Erbrechen und Durchfall führen. Die dreikantigen braunen Nüsse eignen sich nach ihrer Reife aber auch zur Herstellung von Speiseöl, das in der "kalten Küche" Anwendung findet, wie Stefan Kerner von der Erlenbacher Ölmühle erzählt. Zwölf Kinder des Kindergartens Hüttenäcker haben ihm jetzt beim Sammeln der Früchte geholfen.

Animiert

Die Ölmühle beschäftigt sich jetzt erstmals mit der Herstellung des in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr in Vergessenheit geratenen nussig schmeckenden Öls. Ältere Mitmenschen hätten ihn dazu animiert, sagt Kerner, der die Sammelaktion mit den Kindern im Erlenbacher Sommerrain-Wald organisiert hat. "Wir haben die Idee gerne aufgegriffen, denn wir sind immer freitags, wenn das Wetter mitspielt, sowieso im Wald", bestätigt Erzieherin Luise Schellenbeck. Und im Augenblick könnte die Witterung für solche Exkursionen ja nicht besser sein.

Es ist mühsam, bis da einige Kilogramm der kleinen Früchte gesammelt sind. Diese stecken zu dieser herbstlichen Zeit meist in einem weich-stachligen, braunen und verholzten Fruchtbecher, der im Verlauf der Reife aufplatzt. Bei dem Aufwand ist deshalb fast logisch, weshalb die Herstellung dieses Öls aus der Mode gekommen ist. Dennoch sammeln zwölf Kinder und drei Erzieherinnen sitzend und kniend zwei Stunden lang fleißig. Stefan Kerner erzählt dabei Wissenswertes über die Bucheckern: "Gibt es viele davon, droht ein strenger Winter." Auch die vielen Eicheln seien ein Indiz für diese These.

Unterstützung

"Rund 100 Kilogramm der Früchte geben etwa 30 Liter Öl", erklärt der Fachmann. "Diese Menge schaffen wir heute natürlich nicht." Kerner wird also weiter fleißig sammeln müssen, damit sich die Herstellung des seltenen Öls rentiert. Vier Wochen lang müssen die Früchte nun trocknen, danach ist die Putzmühle dran. Übrig bleibt die eigentliche Frucht. Der Ölmühlenbetreiber rechnet damit, dass je nach Feuchtigkeitsgehalt Anfang November das "Winteröl" gepresst werden kann. Abfüllen will er es dann in kleinen 100 Milliliter Fläschchen. "Jeweils ein Euro pro verkauftes Fläschchen geht als Belohnung an den Kindergarten", garantiert Stefan Kerner, der sich seit nunmehr sechs Jahren intensiv mit der Herstellung verschiedener Öle beschäftigt.

Von Werner Glanz